Ackerland fällt Industrie und Zersiedlung zum Opfer

18.01.2012

In der Überflussgesellschaft der Industrieländer ist es schwer nachvollziehbar, dass in vielen Teilen unserer Erde auch heute noch die mangelnde Versorgung mit Nahrung und damit die einhergehende Unterernährung ein großes Problem darstellt. Trotz zahlreicher Versprechungen und Bemühungen nimmt die Anzahl hungernder Menschen global nicht ab Es bestehen berechtigte Zweifel, ob das Millenium Entwicklungsziel der UN Welternährungsorganisation erreicht werden kann.

Selbst wenn die Anzahl der unterernährten Menschen wie erhofft bis zum Jahr 2015 um die Hälfte reduziert werden kann, werden immer noch 600 Millionen Menschen weltweit unterernährt sein. Zeitgleich entsteht ein neuer Anbauwettbewerb zwischen Nahrungsmitteln und Pflanzen, die für die Gewinnung von Energie eingesetzt werden können. Gerade westliche Industrieländer versuchen durch die Gewinnung von Ethanol ihre Ölabhängigkeit zu verringern.

Ein zentrales Problem ist der Verlust von Ackerflächen an die Industrie und die fortwährende Vergrößerung der persönlichen Lebensräume und damit die Ausbreitung der Städte in die Fläche. Viele Flächen, die früher Agrarland waren, sind heute versiegelt und damit für die Nahrungserzeugung nicht mehr verwendbar. In einzelnen Modellprojekten wird bereits versucht, die Zersiedlung der Landschaft zu vermeiden. So gibt es seit einigen Jahren z.B. in Freiburg und Tübingen Bestrebungen, bestehende Wohngegenden und nach der Schließung von Militärgelände verdichtete Lebensräume zu generieren. Damit wird bewusst zur Vermeidung der Flächenversieglung durch Neubaugebiete und zeitgleich zur Erhaltung attraktiver Kernstädte beigetragen.

Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), machte in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa darauf aufmerksam, dass der Entzug von Äckern und Wiesen eines der wesentlichen Zukunftsprobleme sei. Rund 500 000 Hektar Ackerfläche seien allein den Bauern in Bayern seit dem Jahr 1970 entzogen worden. Dies entspricht in etwa der kompletten Agrarfläche Niederbayerns. Deutschlandweit, so Sonnleitner, wurden seit 1992 mehr als 800 000 Hektar Land von Ackerland zu Bauland für Straßen oder Wohnsiedlungen umgewandelt worden.

Natürlich muss aufgrund des Bevölkerungswachstums global auch der Straßen- und Wohnungsbau vorangetrieben werden. Hierbei gilt es jedoch zeitgleich den Anforderungen ausreichender lokaler Nahrungsmittelversorgung sowie an möglichen Erholungsraum für Menschen und Tiere gerecht zu werden.

Hierbei ist globales Denken und Handeln notwendig. Beispielsweise sorgt der Wegfall der EU-Mindestpreise für Zucker bei einigen Karibikstaaten, die bisher als Rohrzuckerlieferanten verglichen mit dem Weltmarkt höhere Preise garantiert bekamen. So fordert Sonnleitner auch laut dpa, dass es nicht ausreicht, „nur für Deutschland oder für Europa zu denken“ –weltweites Denken ist notwendig. Der Rückbau versiegelter Böden sollte nach Sonnleitner deshalb Priorität haben.

Um der Herausforderung einer besseren Nahrungsversorgung gerecht zu werden, bestehen neben des Handlungsbedarfs, versiegelte Flächen wenigstens zu Teilen in Ackerland zu verwandeln und zu verwenden, weitere Möglichkeiten zur Verbesserung der Nahrungsversorgung:

In vielen Ländern existieren brachliegende Ackerflächen, die bisher unzureichend genutzt werden. Hier sind die Herausforderungen mannigfaltig: In Kroatien sind als Kriegsfolge noch zahlreiche Ackerflächen mit Minen kontaminiert und nur durch aufwendige Minenentfernung wieder nutzbar. Hierzu ist entsprechendes Know-how notwendig.

In vielen Ländern bestehen zudem Flächen, die mit relativ wenig Aufwand urbar gemacht werden können. So liegen beispielsweise in Russland noch riesige Flächen wertvoller Anbaufläche mit den begehrten und fruchtbaren Schwarzerdeböden brach. Hier fehlt es an Infrastruktur und Investitionskapital.

Auch wenn die aktuelle Lage erschreckend aussieht, kann mit vereinten Anstrengungen eine deutliche Linderung der aktuellen Unterernährungssituation erreicht werden. Wir beraten Sie gerne, wie Sie zusammen mit uns hier ansetzen und umsetzen können.