Biosprit E10 – Nahrungsmittel für den Tank?

16.07.2012

Autos sind, vor allem in Mitteleuropa, viel mehr als ein Fortbewegungsmittel. Sie werden gehegt und gepflegt – das Beste ist vielen fürs Auto gerade gut genug. So verwunderte es kaum, dass die Einführung der Benzinsorte E10 (Superbenzin 95 Oktan mit 10 Prozent Bioethanolanteil) zu Protesten in weiten Teilen der Bevölkerung führte.

Noch heute liegt der Marktanteil deutlich unter 20 Prozent, während bereits Benzinsorten wie E85 (mit 85 Prozent Bioethanolanteil) in Ländern wie Brasilien, Schweden und den USA längt flächendeckend angeboten und nachgefragt werden.

Autofahrer nennen viele Gründe, warum sie kein E10 tanken. Viele fürchten sich, dass E10 ihrem Auto schadet. Hier sind allerdings nur sehr wenige Modelle betroffen, die wirklich Schaden nehmen können. Es wird oft vergessen, dass das reguläre Super eigentlich E5 genannt werden könnte, denn hier beträgt der Bioethanolanteil bis zu 5 Prozent. Weitere Argumente sind die leicht schlechteren Verbrauchswerte von E10 gegenüber E5. Dies trifft zwar zu, doch fährt es sich mit E10 dank des Preisvorteils insgesamt etwas günstiger. Das Argument, mit dem Einsatz von Benzinsorten mit höherem Bioethanolanteilen mehr Unabhängigkeit gegenüber den erdölfördernden Ländern zu erreichen, wird gern mit dem unabhängigen Gegenargument gekontert, dass Biosprit E10 in Wahrheit nicht umweltfreundlich sein, sondern zur Abholung von Regenwald führt, da zusätzliche Ackerflächen benötigt werden, beispielsweise für die Pflanze Jatropha (ein Wolfsmilchgewächs). Die Samen der Pflanze Jatropha haben einen Ölanteil von deutlich über 30%. Aufgrund der hohen Cetanzahl von ca. 60 – Raps hat nur ca. 54 – ist es eins der am effektivsten technisch nutzbaren Pflanzenöle. Zusätzlich kann die Restpflanze als Biomasse verwendet werden.

Das Argument des zusätzlichen Ackerflächenverbrauchs kann nicht einfach entkräftet werden – jedoch stellt sich hier die Frage, ob es möglicherweise nicht sinnvoller ist, anderweitig Ackerflächen einzusparen. Auf einem Drittel der weltweiten Ackerflächen werden keine Nahrungsmittel für Menschen, sondern für Viehfutter angebaut. Mit einer Verminderung des Fleischkonsums könnten deshalb nicht nur große Flächen für den Anbau von Jathropa oder ähnlichen für Bioethanolgewinnung geeigneten Pflanzen geschaffen werden, es würde zudem dazu beitragen, die Regenwaldabholzung zu reduzieren. Ganz nebenbei könnte der aus der Viehzucht entstehende Beitrag von 18 Prozent der weltweit freigesetzten Treibhausgase (mehr als der gesamte Transportsektor) drastisch reduziert werden.