Das kostbare Nass

21.03.2012

In der vergangenen Woche fand in Marseille die Weltwasserkonferenz statt. Teilnehmer aus 140 Staaten berieten über den Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser, die mit einem Anstieg der Weltbevölkerung – bis 2050 soll die Menschheit von sieben auf neun Milliarden Menschen wachsen – noch knapper zu werden droht.

Aufgrund eines höheren Bedarfs an Energie, Nahrung und sauberem Wasser würde die weltweite Wasserkrise noch weiter verschärft, warnt die Umweltorganisation World Wide Found for Nature (WWF). Auch die Uno legte pünktlich zur Konferenz ihren vierten Weltwasserbericht vor. In diesem zeigt ein Team von Hydrologen, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern die Gefahren auf, die durch einen verschwenderischen Umgang mit der knappen Ressource Wasser und einem weiteren Anstieg der Weltbevölkerung entstehen kann.

Mit dem Anstieg des Wasserverbrauchs geht ein wachsender Bedarf an Landwirtschaft, höhere Umweltverschmutzung und eine mangelnde Infrastruktur einher. Wenn die Menschheit nicht lernt, ihre Trinkwasservorräte besser zu nutzen, stehen mehreren hundert Millionen Menschen Hunger und Krankheit bevor.

Besonders in der Landwirtschaft wird ein großer Anteil des Wassers verbraucht: 70 Prozent des verbrauchten Wassers sind auf die Landwirtschaft zurückzuführen. Experten warnen, dass der Wasserverbrauch in der Landwirtschaft bis zum Jahr 2050 um 20 weitere Prozent ansteigen könne. Bereits heute werden vom Agrarsektor immer mehr Grundwasservorräte angezapft. Es ist daher wichtig hier umzudenken und beispielsweise Pflanzen mit geringem Wasserverbrauch zu kultivieren.

Die Uno kritisiert zudem den unnützen Wasserverbrauch im Alltag: So sei es nicht notwendig, kostbares Trinkwasser für Toilettenspülungen zu benutzen, Gebrauchtwasser reiche hier vollkommen aus.

Von den rund 800 Millionen Menschen, die keinen Zugang zu Wasser haben, lebt etwa die Hälfte in Afrika, südlich der Sahara. Allein in Kenia hat weniger als die Hälfte der Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser. Denn Wasserstellen sind in Kenia selten.

Besonders in diesen Regionen ist die Sicherstellung der Wasserversorgung dringend notwendig. Seit der Jahrtausendwende gab es nämlich laut dem WWF über 50 gewalttätige Konflikte um die Nutzung von Wasser. Es erscheint naheliegend, dass bei einer weiteren Verknappung der Ressource Wasser das Konfliktpotential weiter zunimmt.

Die Tatsache, dass neun Staaten (Brasilien, Russland, China, Kanada, Indonesien, Indien, Kolumbien, die Demokratische Republik Kongo und die USA) über 60 Prozent der globalen Süßwasservorkommen besitzen, wirkt bei der Zuspitzung der Wasserkrise wie ein Brandbeschleuniger.

Daher forderte der WWF im Vorhinein von den Teilnehmern der Weltwasserkonferenz, einen weltweiten und bindenden Aktionsplan zum nachhaltigen Umgang mit der kostbaren Ressource Wasser zu erstellen.

Die Ergebnisse des Weltwasserforums bezeichnete die Organisation rückblickend jedoch als „zwiespältig“: WWF kritisiert, dass die offizielle Ministerdeklaration nicht die Kraft habe, den lokalen und regionalen Erfolgsmodellen einen ausreichenden globalen Rahmen zu geben. Immerhin werden nun allerdings die Umsetzung des Menschenrechtes auf Wasser und der Erhalt von natürlichen Feuchtgebieten und Flüssen gefordert. Auch hätten die Teilnehmen endlich anerkannt, dass Wasser eine ökologische, soziale und ökonomische Komponente habe. Nahrungssicherheit und Energieversorgung hingen essentiell von einem nachhaltigen Wassermanagement ab.