Die Weltwasserwoche und das gute Gewissen

01.09.2012

Regelmäßig treffen sich Politiker, Wissenschaftler und Entwicklungshelfer aus aller Welt, um ihr gewachsenes Umweltbewusstsein auf Konferenzen in die Öffentlichkeit zu tragen. Diesmal hatte das Stockholm International Water Institute (SIWI) zur Weltwasserwoche in die schwedische Hauptstadt geladen. Die Veranstaltung unter dem Motto „Wasser und Ernährungssicherheit“ endete am Freitag.

Wie zu erwarten häuften sich wieder die Appelle, mit den natürlichen Ressourcen verantwortungsvoll umzugehen. Trotz aller Beteuerungen lehnt sich die UN jedoch zurück: sie vertritt die Ansicht, ihre Millenniumsentwicklungsziele zu Trinkwasser seien erreicht, muss dabei aber doch die starken Ungleichgewichte beim Zugang zu sauberem Trinkwasser eingestehen. Vor allem Menschen in ländlichen Regionen werden weiterhin benachteiligt. Diese Erkenntnis ist nicht neu, und alleine durch wohlvorbereitete Konferenzen in westlichen Hauptstädten wird sich daran etwas ändern.

Immer noch ist die Unterernährung vor allem bei kleinen Kindern auf verschmutztes Wasser und mangelnde Hygiene zurückzuführen. Davon kann sich immer wieder von neuem überzeugen, indem man bei Unicef oder Kinderhilfswerken nach den Ursachen von Mangelernährung fragt. Die Ressource Wasser ist knapp und wertvoll, heißt es ausgerechnet in Industrieländern, in denen solche Fragen nach wie vor ein Luxusproblem darstellen. Forschungsgelder werden nun einmal vor allem in den Industrieländern verteilt und nicht dort, wo diese Probleme akut sind.

Weil in den betroffenen Ländern die politischen Strukturen fehlen, um ein Umsteuern nachhaltig in Gang zu setzen, bleibendie schönsten Analysen und die dramatischsten Appelle Lippenbekenntnisse. Den Industrieländern der Ersten Welt mag nichts übrig bleiben als eine geduldige Sisyphusarbeit, die nur langsam Fortschritte zeigt. Zwar kann die Forschung dazu ihren Beitrag leisten, jedoch sieht es manchmal so aus, als diene sie vor allem als Mäntelchen zur Beruhigung des eigenen Gewissens. Wäre dies anders, müssten die staatlichen Haushalte für Entwicklungshilfe ganz anders aussehen.