Durch Globalisierung aus der deutschen Solarkrise

28.11.2011

Nach den erfolgreichen letzten Jahren stecken deutsche Solarunternehmen heute tief in der Krise. Ihre Situation ist besonders problematisch, da auf einem zunehmend gesättigten Markt ein großer Preiswettbewerb vorherrscht.

Chinesische Solarunternehmen bieten ihre Produkte deutlich günstiger an. Gleichzeitig ist der deutsche Boom der letzten Jahre vorbei. Innerhalb der letzten drei Quartale ist die Nachfrage nach Solarmodulen deutscher Hersteller um fast 40 Prozent eingebrochen.

Die Gründe für die schlechte Wettbewerbsposition sind vielschichtig. Manche Kritiker behaupten, dass die Industrie selbst die Schuld an der Krise hätte: Zu sehr wurde sich ausgeruht auf den milliardenhohen Subventionen der Vergangenheit: „Die Förderung hat den Druck genommen, die Kosten zu senken“, erklärt Wolfgang Hummel von der HTW Berlin im Gespräch mit Spiegel online. Kostensenkung sei aber dringend notwendig: Aufgrund chinesischer Konkurrenten fielen die Preise für Photovoltaikmodule im laufenden Jahr um 30 bis 40 Prozent. So schnell und so tief sind deutsche Unternehmen nicht in der Lage ihre Preise zu drücken. Daher gingen die Marktanteile der deutschen Solarindustrie im Zeitraum von 2004 bis 2011 von 69 auf 21 Prozent zurück. Der Umsatz der chinesischen Hersteller wuchs im gleichen Zeitraum hingegen von sieben auf 45 Prozent des weltweiten Umsatzes im Bereich Photovoltaik.

Aufgrund der schwierigen Situation im Solarmarkt ist es naheliegend, dass die bisherigen Geschäftsstrategien der Solarunternehmen auf den Prüfstand gestellt werden müssen. Die Firmen müssen sich strategisch neu aufstellen. Eine Option hierbei ist die zunehmende Erschließung des Solarmarkts außerhalb Deutschlands. Dies haben manche Unternehmen aber bereits begriffen: So nimmt beispielsweise der deutsche Branchenprimus Solarworld heute, genau an dem Tag, an dem im südafrikanischen Durban der Weltklimagipfel beginnt, die weltgrößte Solardachanlage Afrikas in Durban in Betrieb.

Dass es notwendig ist, global zu denken, um in der Krise zu überleben, bestätigt auch Andreas Hänel, Chef von Phoenix Solar, einem Fachunternehmen für Planung, Bau und Betrieb von Photovoltaik-Großkraftwerken Spiegel online: „Wir machen mittlerweile nahezu 60 Prozent unserer Umsätze im Ausland.“

Die Vorteile der Expansion der Solarindustrie vor allem in südlichere Gefilde liegt auf der Hand: In den sonnenverwöhnten Ländern ist die Energieausbeute bedeutend größer. Solaranlagen lassen sich also in Afrika profitabler betreiben.

Besonders Südafrika kann hier Vorbild sein, denn hier werden allein 40 Prozent des Stroms Afrikas verbraucht. Produziert wird dieser bislang alles andere als nachhaltig. 92 Prozent der Energie stammen aus einheimischen Kohlewerken. Bislang war der Anreiz Strom zu sparen in Südafrika sehr gering. Vor wenigen Jahren noch lag der Preis umgerechnet etwa bei 2 Cent pro Kilowattstunde – weltweit der absolut geringste Preis. Obwohl dies mittlerweile etwas mehr ist, gibt es aber nach wie vor kaum Anreize, Strom zu sparen.

Mit Hilfe aus Deutschland soll sich das aber künftig ändern: „Wir brauchen technologische Unterstützung“, erklärt Mark Gordon, der in Pretoria für den Klimaschutz zuständig ist, der Frankfurter Neuen Presse. „Wir haben bislang keine Erfahrung mit dieser Thematik und müssen daher noch lernen, wie wir regenerative Energien in unser Stromnetz einbauen sollen.“ Unternehmen wie die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Eschborn oder die KfW-Entwicklungsbank beraten so beispielsweise im Auftrag des Umweltministeriums.

Solarunternehmen tun also gut daran, in diese Länder, deren Bewusstsein für regenerative Energien gerade erst erwacht, zu investieren. Denn neben Südafrika bauen noch viele weitere Staaten auf Solarenergie. So startet beispielsweise auch Indien mittlerweile eine große Solaroffensive: Solarworld lieferte für eine 10,6 Megawatt große Freiflächenanlage ihre Solar-Module. Dies ist bereits das zweite große Projekt des Unternehmens in dem asiatischen Staat: Dem Global-Player der Solarenergie stehen alle Türen offen.

Wenn Sie wissen möchten, wie Ager Pharia sich bei der Arbeit an regenerativer Energie beteiligt, kontaktieren Sie uns!