Energiewende von unten: Konsequent dezentralisieren

26.08.2012

Die Politik debattiert auf nationaler Ebene noch über Versorgungssicherheit, da nehmen die Kommunen die Energiewende längst selbst in die Hand: Biomasse wird zum Konjunkturmotor. Gemeinden und Mittelständer sehen erneuerbare Energie nicht mehr nur als subventionierten Zweig der Strom-, Wärme- und Treibstoffproduktion, sondern als Wirtschaftsfaktor und als Nische, in die sie selbst hineinstoßen müssen. So trägt die Allianz zwischen Kommunen und Mittelstand nicht nur zu stabileren Energiepreisen bei, sondern liefert auch einen Beitrag zur Regionalentwicklung.

Ein gutes Beispiel stellt die Gemeinde Kißlegg in Baden-Württemberg dar. Elf Biogasanlagen produzierten im laufenden Jahr bereits mehr als 10 Millionen Kilowattstunden. Dies ist fast der Hälfte des lokal erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien. „Rohstoffe aus dem Raum für den Raum“ lautet die Devise: Unternehmen bleiben am Ort, Landwirte, die sich bei fallenden Michpreisen eine neue Marktnische suchen mussten, haben sich ein neues Standbein mit nachwachsenden Rohstoffen und der Gülleverwertung geschaffen. Sogar Kleinbauern mit nur wenig Vieh werden als Zulieferer von Gülle zum Teil der Produktionskette.

Blockheizkraftwerke erzeugen aus dem Biogas der Landwirte Strom und Wärme, das Gärsubstrat landet als hochwertiger Dünger wieder auf den Feldern und reduziert den Bedarf von Mineraldünger. Eine solche lokale Biogasanlage kann auf diese Weise rund 400 Haushalte mit Strom versorgen. Wenn Kommunen und mittelständische Unternehmer diese Entwicklung noch entschlossener vorantreiben, ist die Autarkie bei der Energieversorgung nicht mehr nur ein leeres Schlagwort, sondern wird zu einem ernst zu nehmenden Ziel. Die Energiewende kommt – von unten.