Hunger in der Sahelzone

30.03.2012

Die Sahelzone ist die afrikanische Übergangszone vom nördlichen Wüstengebiet der Sahara zur südlichen Savanne. Sie beherbergt die ärmsten Regionen der Welt: Den Norden des Senegals, die Mitte Malis, den Norden Burkina Fasos, die südliche Mitte Nigers, den äußersten Norden Nigerias, die Mitte Tschads und des Sudans, den Norden Äthiopiens sowie Eritrea. Alle diese Länder müssen immer wieder mit Dürren und Hungerskatastrophen zurechtkommen.

Sahel – der Name klingt angesichts der Situation vor Ort wie Hohn. So bedeutet das Wort „Sahel“ im Arabischen Ufer oder Küste. Zwar bezieht sich dieser Name darauf, dass die Sahel durch die Wüste gewanderten Nomaden tatsächlich wie ein rettendes Ufer aussehen mag, doch wissen die Bewohner der Zone um die Wahrheit: Die Sahelzone ist regelmäßig Schauplatz von Dürren und Hungersnöte – so unter anderem in den Jahren 2005, 2008 und zuletzt 2010.

Nun leidet die Region schon wieder seit mehreren Wochen unter dieser humanitären Krise: In vielen Teilen der Sahelzone herrscht seit vergangenem Herbst Dürre. Eine Hungerkrise sei vorauszusehen, zitiert das Nachrichtenmagazin Spiegel.online den Sprecher des Entwicklungshilfeministeriums, Sebastian Lesch. Mehr als zehn Millionen Menschen seien vom Hunger bedroht und die Zahl könnte sogar noch auch 15 Millionen steigen.

Hilfe ist dringend nötig. Doch diese scheint nicht schnell genug zu kommen. Dies liegt jedoch nicht nur an mangelnder Geberbereitschaft, auch die lokalen Regierungen müssen ihren Beitrag leisten. Betroffene Regierungen warten zu lange ab – Hilfegesuche werden spät und manchmal gar nicht geäußert. „In Niger hat man schon im Oktober zugegeben, dass es Probleme gibt, in Mali im November, Burkina Faso hat es bis heute nicht zugegeben“, so Willi Kohlmus, der als Regionalkoordinator der Welthungerhilfe seit drei Jahren in Mali arbeitet, laut Spiegel Online. Kohlmus erläutert, dass allein in Mali derzeit rund 1,8 Millionen Menschen aufgrund der Dürre an Unterernährung leiden würden – das entspricht etwa einem Viertel aller Gemeinden des Landes. Wenn keine Hilfe kommt, könnte diese Zahl sogar auf fünf Millionen ansteigen – in einem Land, in dem lediglich 14 Millionen Menschen leben.

Mali steht hier jedoch nur exemplarisch für viele andere Länder der Zone. Sie alle leiden unter denselben Gegebenheiten: Die letzte Dürre gab es vor gerade einmal zwei Jahren – Menschen, Tiere und Böden hatten kaum eine Chance zur Regeneration. Auch stiegen die Lebensmittelpreise in den vergangenen Monaten in ungeahnte Höhen: Seit Dezember haben sich diese verdoppelt! Weiterhin erhöhten regionale Konflikte sowie Rückkehrer aus Krisenregionen das Hungerproblem.

Es ist dringend an der Zeit zu handeln: Die aktuelle Krise kann zwar nur noch abgemildert werden, doch das Credo für die Zukunft muss Vorbeugung heißen, also Prävention statt Reaktion. Hilfe zur Selbsthilfe ist nötig. Die Landbevölkerung muss neue Anbaumethoden lernen und Saatgut mit kürzeren Reifungszeiten muss kultiviert werden. Zugang zu besserem Dünger und Erosionsschutz sollte gewährleistet werden und eine lückenlose Versorgung mit der Ressource Wasser ist lebensnotwendig!