Notfallversorgung: Neue Krisen, alte Konzepte?

26.07.2012

Mit der haushaltspolitischen Diskussion über die Kosten einer Notfallversorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln gerät immer wieder auch die dahinterstehende Infrastruktur in die Schusslinie. An geheimen Orten, verteilt über die ganze Bundesrepublik, lagern fast 800.000 Tonnen Lebensmittel für den Ernstfall. Diese Lager sind ein Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges. Das Konzept dahinter hat sich seit einem halben Jahrhundert nicht verändert.

Grundnahrungsmittel wie Weizen werden als unverarbeitete Rohstoffe eingelagert, so bleiben sie haltbarer als in verarbeiteter Form, und können flexibler „umgewälzt“, also zwischendurch ausgetauscht werden. Andere Länder wie die Schweiz setzen bei der Krisenversorgung der Bevölkerung auf Verträge mit Handelspartnern, in Deutschland dagegen sorgt der Staat selber für einen Notvorrat an Nahrungsmitteln, für jeden Bürger sind das rund zehn Kilogramm. Der Oberprüfer der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Klaus Müller, lässt Kritik an zu hohen Kosten nicht gelten. Derzeit sind dies für jeden Bürger 20 Cent im Jahr. Müller stellt sich gegen Forderungen, die Notfallbevorratung anders zu organisieren. Gegenüber Welt Online sagte er, vielleicht komme noch die Zeit, wo Deutschland die Vorräte brauche. Die Kritik setzt aber nicht nur bei den Kosten an, sondern auch am Krisenszenario, das der Notfallversorgung mit Nahrungsmitteln zugrunde liegt. Im Ernstfall könnte es schwierig werden, diesen Vorrat zu nutzen, denn Rohstoffe müssten ja erst einmal verarbeitet werden.