Ravensburg entdeckt Jahrhunderte alte Wasserleitung

29.08.2012

Die Ressource Wasser ist seit Menschengedenken essentiell für den Siedlungsbau. Schon die Römer nutzten aufwendig erbaute Aquädukte, um Wasser über große Entfernungen zu transportieren. Eine weit weniger bekannte, aber jüngere Technik waren so genannte „Deicheln“; frühe unterirdische Rohrleitungssysteme aus Holz, die Wasser vom einen Brunnen zum anderen transportierten und so die Versorgung der städtischen Bevölkerung mit der Ressource Wasser sicherstellten.

Exakt auf ein solches System sind jetzt Bauarbeiter in der Stadt Ravensburg gestoßen – und wie könnte es anders sein: bei Grabungen zu einem neuen Kanal, etwa 3 Meter unter der Oberfläche. Experten beziffern das Alter der Ravensburger Deichel nun nach ersten Schätzungen auf 250-450 Jahre. Sicher ist nur: die Deichel stammt aus dem Barock – und war so gut gearbeitet, dass sie bis heute funktioniert hätte. „Hätte“ im Konjunktiv, weil sie nach der Ausgrabung und der damit verbundenen trockenen Lagerung an der Oberfläche, schnell rissig geworden ist. Deicheln bestehen aus Weichholz (in hiesigen Gefilden eben Kiefer, Fichte, Tanne) und benötigen eine dauerhaft feuchte Umgebung – und möglichst geringe Temperaturschwankungen. Das war bei den derzeitigen Temperaturen nach der Freilegung schnell nicht mehr möglich.

Ausgestellt werden soll die historische Deichel nun im Dorfgemeinschaftshaus Oberhofen – als Teil der Stadtgeschichte und barockes Dokument der Handwerkskunst der Brunnenbauer; dem Beruf, der im Mittelalter die Ressource Wasser zu den Menschen brachte.