Stromexport trotz Atomausstieg

23.04.2012

Man kann doch nicht acht Atommeiler gleichzeitig vom Netz nehmen! Mit einer so raschen Energiewende wird eine Stromlücke entstehen! Die Energieversorgung in Deutschland ist ohne Kernenergie nicht gewährleistet! So oder ähnlich klangen viele Stimmen, als die Bundesregierung Anfang 2011 den Atomausstieg beschloss. Nun meldet der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) jedoch: Im Jahr 2011 exportierte Deutschland 6000 Gigawattstunden Strom ins Ausland!

Trotz der Abschaltung von acht Atomkraftwerken ist es der Bundesrepublik somit gelungen nicht nur genug Strom zu produzieren, sondern sogar so viel, dass etwa abgegeben werden konnte. Allerdings betonte Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin der BDEW laut dem Nachrichtemagazin Spiegel online auf der Hannover Messe, dass Deutschland im Jahr 2010 noch 17.700 Gigawattstunden ausgeführt hatte. Auch sei die Stromversorgung, trotz der Möglichkeit zum Export, im Winter mehrfach kritisch gewesen und auch der nächste Winter könne noch einmal eng werden. Grund hierfür war jedoch nicht nur eine geringere Stromproduktion, sondern vor allem bei regionalen Problemen spielten Mängel beim Netzausbau sowie das Zusammenspiel von Strom- und Gasmarkt eine Rolle.

Müller prognostiziert jedoch eine entspanntere Zukunft: Bis zum Jahr 2014 solle sich die Situation aufgrund derzeitiger Milliardeninvestitionen seitens der Energiebranche sowie von Stadtwerken und privaten Investoren wesentlich gelockert haben. Derzeit gibt es laut BDEW bundesweit 69 konkrete Pläne für neue Kraftwerke: 29 Gas- und 17 Kohlekraftwerke, 23 Offshore-Windkraft-Projekte sowie zusätzlich zehn Pumpspeicherkraftwerke. Selbst wenn, wie der Branchenverband der Energiekonzerne laut Spiegel bezweifelt, nicht alle diese Anlagen gebaut würden, steht einer Versorgungssicherheit in Deutschland daher nichts im Wege, falls der Netzausbau in größeren Schritten voran schreitet.