Unterernährung und Butterschmuggel

23.02.2012

Es ist kaum zu glauben: Die Weltbevölkerung hat die 7-Milliarden-Marke überschritten und in vielen Ländern herrscht Nahrungsmittelknappheit. Laut dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) stirbt etwa alle 3,5 Sekunden ein Mensch an den Folgen von Hunger und Unterernährung.

Mehr als die Hälfte davon sind Kinder, die nicht einmal fünf Jahre alt wurden. Erschreckend ist auch, dass die Zahl der Unterernährten in den letzten Jahren aufgrund der steigenden Nahrungsmittelpreise stark zugenommen hat. In der Demokratischen Republik Kongo sind 75 Prozent der Bevölkerung unterernährt, in Eritrea 66 Prozent, in Burundi 63 Prozent und selbst im direkt neben dem Urlaubsparadies der Dominikanischen Republik liegenden Haiti liegt der Anteil der unterernährten Bevölkerung bei 58 Prozent.

Gleichzeitig ist im jährlichen Weltkatastrophenbericht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz nachzulesen, dass den 15 Prozent der Hungernden (925 Millionen Menschen) 1,5 Milliarden Menschen mit Übergewicht gegenüberstehen. Es sollte also genügend Nahrung zur Verfügung stehen – die Ungleichheit bei der Verteilung stellt damit ein Hauptproblem der Unterernährung dar. Während in westlichen Ländern Adipostas vorherrscht und teilweise bis zu einem Drittel der produzierten Nahrungsmittel weggeschmissen wird (z.B. nicht verkaufe Waren im Supermarkt, verdorbene Waren in den Haushalten), fehlt es in den Entwicklungsländern teilweise an den grundlegendsten Nahrungsmitteln wie Brot und Wasser. Der Aufbau der Nahrungsmittelgrundversorgung sollte deshalb oberste Priorität haben.

Im Kontrast zu den fundamentalen Problemen der Entwicklungsländer klang die Butterkrise in Norwegen geradezu amüsant: Aufgrund es dort zunehmenden Trends zu weniger Zucker und mehr Fett wurde weniger Butter hergestellt. Diese betriebswirtschaftliche Vorgehensweise schlug jedoch in der Adventszeit fehl: Den Norwegern war die Butter ausgegangen. Konsumenten fanden nur leere Regale vor und als Sofortmaßnahme senkte die Regierung die Einfuhrzölle auf Butter drastisch. Zeitgleich baute sich ein reger Butterschmuggel auf. Bei Kilopreisen von bis zu 50 Euro lockten hohe Renditen. Von derartigen kleinen Problemen kann in den Entwicklungsländern nur geträumt werden.