Wasserkraft-Großprojekte in Chile: Ethnische Minderheiten kämpfen für Dezentralisierung

08.08.2012

Lange nach dem Ende der Pinochet-Diktatur setzt sich in Chile nur sehr langsam ein Umweltbewusstsein durch. Mit der Rückkehr zur Demokratie finden ethnische Minderheiten wieder mehr Gehör und tragen dazu bei, die Öffentlichkeit für einen schonenderen Umgang mit den natürlichen Ressourcen zu sensibilisieren.

Zu diesen Volksgruppen gehören die Mapuches, die in Aurakarien leben, einem Schutzgebiet, in dem die Wälder noch nicht systematisch abgeholzt wurden. Hernán Muñoz kümmert sich als Umweltbeauftragter um die Anliegen der Mapuches. Gegenüber der FAZ betonte er, dass es immer wieder zu heftigen Konflikten der Mapuches mit der Industrie komme. Es sind die Großprojekte, gegen die sich das entschlossene Engagement der Mapuches für mehr Dezentralisierung und gegen Pläne für weitere große Wasserkraftwerke richtet. Der Strom solcher Anlagen bleibt nicht in der Region, er wird über tausende Kilometer Hochspannungsleitungen in Ballungsräume fließen, dafür droht einem der letzten Waldgebiete ohne großflächige Rodungen die Zerstörung.

In solchen Konflikten nutzt die Industrie unklare Kompetenzen und große Gesetzeslücken aus: Wasser gilt in Chile noch immer als Wirtschaftsgut, Großkonzerne haben kaum Restriktionen zu fürchten und bekommen nur allzu leicht Genehmigungen für ihre Großprojekte, weil die Aufsichtspflicht der Behörden unklar geregelt ist oder ganz auf der Strecke bleibt. Die Mapuches werden trotzdem weiterkämpfen.